ÖGKV fordert Professionalisierung der Notfallpflege

Notfallpflege-SituationIn Österreich gibt es bislang keine spezialisierte Ausbildung für die Notfallpflege, obwohl Pflegekräfte in Notaufnahmen zentrale Aufgaben in Krankenhäusern übernehmen. Diese Lücke ist nicht mehr zeitgemäß und bedarf dringend einer Korrektur. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Notfallpflege Österreich hat daher mehrere Forderungen erhoben, um die Professionalisierung und Anerkennung der Notfallpflege zu fördern.

Forderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Notfallpflege Österreich

  1. Etablierung einer Sonderausbildung für Notfallpflege: Eine spezialisierte Ausbildung mit entsprechenden Kompetenzerweiterungen ist essentiell. Diese soll auf die besonderen Anforderungen der Notfallpflege eingehen und die Qualität der Versorgung in Notaufnahmen verbessern.

  2. Einbeziehung von Expert/innen aus der Notfallpflege: Bei berufspolitischen Entscheidungen sollen Expert/innen der Notfallpflege mit einbezogen werden, um ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen in die Gestaltung der Pflegepolitik einzubringen.

  3. Übernahme deutscher Empfehlungen für den Personalschlüssel: Die Arbeitsgemeinschaft fordert die Übernahme der in Deutschland etablierten Empfehlungen zur Berechnung des Personalschlüssels, um eine adäquate Personalbesetzung in Notaufnahmen sicherzustellen.

  4. Aufnahme der Notfallpflege in das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG): Die Notfallpflege soll offiziell in die erweiterten und speziellen Tätigkeitsbereiche des GuKG aufgenommen werden, um ihre Bedeutung und die notwendigen Qualifikationen gesetzlich zu verankern.

Gründe für die Professionalisierung

Matthias Hellmair, MBA, und Michaela Klinglmair – Autor/innen des dazugehörigen Positionspapiers – betonen, dass es nicht nur um Sichtbarkeit, sondern vor allem um fachliche Fragestellungen geht. Notaufnahmen sind zentrale Schnittstellen in Krankenhäusern, die eine breite und anspruchsvolle Palette an Herausforderungen bieten, die oft über das medizinisch-pflegerische hinausgehen. Eine spezialisierte Ausbildung ist daher für die Qualitätssicherung und -steigerung unerlässlich.

Unterstützung durch Fachgesellschaften

Die Forderungen werden von der AAEM-Österreichische Gesellschaft für Notfallmedizin und der Sektion Notfallmedizin der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) unterstützt. Prof. Harald Herkner, Präsident der AAEM, betont die Notwendigkeit einer profunden, strukturierten und qualitätsüberprüften Ausbildung, die österreichweit vergleichbar sein muss. Univ. Prof. Dr. Helmut Trimmel, MSc, Vizepräsident der ÖGARI, fordert: „Hier ist der Gesetzgeber dringend gefordert, eine österreichweit einheitliche, strukturierte Ausbildung sicherzustellen und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Internationale Vergleiche

In Deutschland gibt es seit 2016 eine bundesweite Sonderausbildung für Notfallpflege, und die dazugehörige Zusatzqualifikation ist seit 2018 gesetzlich verankert. In der Schweiz besteht eine vergleichbare Ausbildung bereits seit 2007. Michaela Klinglmair betont, dass es höchste Zeit ist, dieses Versäumnis in Österreich zu korrigieren und der Notfallpflege den notwendigen Stellenwert zu geben.

Die Professionalisierung der Notfallpflege in Österreich ist notwendig, um die Qualität der Versorgung in Notaufnahmen zu sichern und zu verbessern. Eine spezialisierte Ausbildung und die Anerkennung der Notfallpflege im gesetzlichen Rahmen sind entscheidende Schritte, die dringend umgesetzt werden müssen.


Zur Pressemitteilung: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20240524_OTS0059/forderung-notfallpflege-professionalisieren?utm_source=2024-05-24&utm_medium=email&utm_content=html&utm_campaign=mailaboeinzel

Foto: stock.adobe.com – chokniti

 

weitere News

Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...

Den Durchblick über die Pflegeforschung behalten?!

Mit aktuellen Forschungsergebnissen, innovativen Ansätzen und praxisrelevanten Artikeln bietet Ihnen unsere Fachzeitschrift Pflegewissenschaft wertvolles Wissen für die Pflegepraxis und den wissenschaftlichen Diskurs.