ALLES CLARA-App: Forschung bestätigt Effektivität und empfiehlt Erweiterung

app alles clara pflegende angehörigeIn Österreich übernehmen fast eine Million Menschen die Pflege von Familienmitgliedern oder nahe stehenden Personen, wobei in bis zu 80% der Fälle diese Pflege ohne die Hilfe professioneller Dienste stattfindet. „Alles Clara“ repräsentiert in diesem Zusammenhang eine innovative österreichische Sozialdienstleistung, die über eine App pflegende Familienmitglieder mit Fachberatern aus den Bereichen der Pflege und Psychologie verbindet. Ziel ist es, diese Dienstleistung zukünftig allen Österreichern zur Verfügung zu stellen. Aktuell nutzen bereits etwa 90.000 Arbeitnehmer diese Möglichkeit der flexiblen, niederschwelligen, aber dennoch persönlichen Beratung über ihre Arbeitgeber. Die App von „Alles Clara“ dient dabei als eine sichere digitale Plattform, die Ratsuchende mit den Beratern verknüpft. Ihr Hauptanliegen ist es, pflegenden Familienangehörigen im Alltag Unterstützung und Begleitung zu bieten und bei Bedarf auf geeignete weiterführende Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

Im Zuge der Vorbereitungen für den regulären Betrieb in größerem Umfang wurde die App "Alles Clara" einer wissenschaftlichen Evaluation unterzogen, die als „Realist Evaluation“ bezeichnet wird. Diese Studie, die von August 2022 bis November 2023 lief, bezog 26 Beraterinnen und Berater sowie 681 Nutzende ein. Methodisch stützte sich die Untersuchung auf Fokusgruppen, Einzelinterviews und Online-Umfragen. Die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung erfolgte durch Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Hanna Mayer und ihr Team vom Fachbereich Pflegewissenschaft mit dem Schwerpunkt Person-Centred Care im Research Department für Allgemeine Gesundheitsstudien der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften. Sie betont: „Alles Clara zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Ratsuchenden die Hilfestellung ungesehen von anderen in Anspruch nehmen können und in der Beratung als Personenmit ihren individuellen Bedürfnissen im Fokus stehen und ‚gesehen werden‘. Gleichzeitig kann der Pflegeberuf davon profitieren, dass er in einem neuen beruflichen Kontext gesehen und erlebbar wird.“

Auf den Ergebnissen aufbauend lassen sich folgende Empfehlungen zur Implementierung und weiterführenden Entwicklung des Angebots ableiten:

(1) Österreichweite Vernetzung und regionale Verankerung des Angebots weiter fördern
(2) Direkte Kommunikation von Alles Clara stärken
(3) Zusammenarbeit mit Arbeitgebern stärken
(4) Professionalität der Berater:innen weiter sicherstellen
(5) Persönliche und fachliche Entwicklung der Berater:innen weiter fördern
(6) Vernetzung der Berater:innen als unsichtbares Team fördern
(7) Personzentrierung als Kompass in der Weiterentwicklung von Alles Clara beibehalten – als digitales Tool und als Beratungsstelle zur Stärkung pflegender Angehöriger

Alles Clara-Projektleiterin Nicole Traxler (Managing Director, Alles Clara gGmbH) erklärt dazu: „Zahlreiche Stimmen aus der Community wurden in der Evaluierung sichtbar gemacht, die Verbesserungsvorschläge daraus sind für uns sehr hilfreich. Gemeinsam mit unseren Partner:innen der öffentlichen Hand, Privatwirtschaft und dem Pflegesektor arbeiten wir am Ausbau des Angebots hin zu einem Vollbetrieb.“
Die Evaluierung wurde aus Mitteln des Sozialministeriums gefördert und ist hier abrufbar.

 


Zur Pressemitteilung: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20231213_OTS0088/alles-clara-die-app-die-pflegen-leichter-macht-begleitforschung-bestaetigt-wirkung-und-gibt-empfehlungen-zum-ausbau?utm_source=2023-12-13&utm_medium=email&utm_content=html&utm_campaign=mailaboeinzel

Foto: Projekt-Website https://www.alles-clara.at/

 

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