Pflegevisite gibt Patientinnen und Patienten eine Stimme und stärkt die Arbeit der Pflegenden

pflegevisiteAm Freitag, den 12. Mai begingen Pflegende weltweit den Internationalen Tag der Pflege. Unter dem Motto „Pflegeberuf mit Zukunft – was braucht es dafür?“ sollte für den Beruf, seine Aufgaben und Herausforderungen sensibilisiert werden. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden machte in diesem Zusammenhang auf den hohen Stellenwert der Pflegenden in der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten aufmerksam. Dabei ging es neben der hochqualifizierten Pflege auch um die tägliche Fürsorge und Begleitung auf den Stationen.

Mit der Pflegevisite steht den Mitarbeitenden ein Instrument zur Verfügung, mit dem sie Rückmeldungen zu Alltag und Abläufen bekommen, um diese mitgestalten und verbessern zu können. „Diese Verantwortung übernehmen die Pflegenden gern. Es zeigt, wie wichtig diese Berufsgruppe in den Teams ist. Zusammen und auf Augenhöhe mit Medizinerinnen und Medizinern sowie Therapeutinnen und Therapeuten können wir Pflegenden bestmöglich für die Menschen in unseren Kliniken sorgen“, sagt Jana Luntz, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum.

Patientinnen und Patienten, die längere Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, können wertvolle Hinweise zur Qualität der Arbeit und den Abläufen auf der Station liefern. Die Pflegevisite ist ein Instrument, um diese in einem Gespräch zu erfahren. Dabei kommt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter aus der Pflege zu einem intensiven Gespräch mit dem Patienten oder der Patientin sowie auch den Angehörigen zusammen. Besprochen werden nicht nur das aktuelle persönliche Befinden, sondern auch, was positiv oder auch negativ aufgefallen ist. „Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: Missverständnisse bei der Kommunikation, Wünsche bezüglich des Essens oder Auffälligkeiten bei täglichen Routinen“, sagt Gabriele Reinhardt, Pflegedienstleiterin an der Medizinischen Klinik I. Intention der Gespräche ist es, die Kernkompetenzen der Pflege zusammenzufassen und gegenüber den Patienten sichtbar zu machen. Die Hinweise liefern vielmehr Impulse, um die Patientenversorgung kontinuierlich zu verbessern und deren Qualität stetig zu steigern.

Im vergangenen Jahr haben am Dresdner Uniklinikum 186 Pflegevisiten auf 34 Stationen stattgefunden. 2021 waren es 118, die meisten davon in der Onkologie. „Sinnvoll ist ein solches Gespräch vor allem dann, wenn Patientinnen oder Patienten länger bei uns sind. Sie machen dadurch mitunter ganz andere, intensivere Erfahrungen, die uns weiterhelfen“, sagt die Gabriele Reinhardt. Bei dieser Form der Visite handelt es sich um eine qualitative Erhebung. Die zu Befragenden werden nach Rücksprache mit der Station und nach ihrem Befinden ausgewählt. Denn nicht jede angesprochene Person möchte sich gern so intensiv unterhalten und öffnen.

Familie Neufert hat dieses Gesprächsangebot wahrgenommen. Mitte März ist ihr Sohn Egon zur Welt gekommen – in der 31. Schwangerschaftswoche und damit zwei Monate zu früh. Während Egon erst auf der Kinderintensivstation und später in der Kinderklinik versorgt wurde, waren die Eltern täglich vor Ort. Ende April konnte Mama Belinda dann in ein Eltern-Kind-Zimmer ziehen und rund um die Uhr bei ihrem Baby sein. Vater Marcel ist wenige Tage vor der Entlassung ebenfalls in die Klinik gezogen. So konnte sich die kleine Familie optimal zusammenfinden. Bei der Pflegevisite hat Belinda Neufert vor allem das Personal in der Kinderklinik gelobt. „Man merkt, dass alle hier ihren Job sehr gern machen und mit Herz dabei sind. Wir haben stets gewusst, dass Egon hier in guten Händen ist“, sagt sie. Auch das Zusammenspiel mit dem Familiennetz, ein spezielles Beratungsangebot am Uniklinikum, hat den Beiden gut gefallen. Optimierung wünschen sie sich bei der Kommunikation von organisatorischen Dingen. „Manchmal war es verwirrend für uns: unterschiedliche Aussagen zu Terminen oder nächsten Schritten zum Beispiel“, sagt Marcel Neufert. In einem Brief mit dem Termin für den nächsten Ultraschall hat das Elternpaar Informationen zum Grund der Untersuchung vermisst.

„Diese Rückmeldungen sind sehr wertvoll für uns beziehungsweise das gesamte Team“, sagt Jana Luntz, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum. „Mit der Pflegevisite geben wir Verantwortung an unsere Pflegenden. Sie sind nicht nur sehr nah an den Patientinnen und Patienten, um ihre Empfindungen zu hören. Ihre Aufgabe ist es auch, das Gesagte zu dokumentieren und weiterzutragen, damit das ganze Team mit dem Feedback arbeiten kann.“ Zum heutigen Internationalen Tag der Pflege (12. Mai) ist es ein besonderes Anliegen, darauf hinzuweisen. „Die Hochschulmedizin Dresden ist sich der Bedeutung der Pflege und der Mitarbeitenden sehr bewusst. Wir fördern diesen wichtigen Beruf deshalb nicht nur durch innovative Formen der Vergütung in unserem Haustarifvertrag oder wirksame Regelungen zur Vermeidung von Überlastsituationen, sondern wir zeigen unsere Wertschätzung auch durch eine interprofessionelle Kommunikation auf Augenhöhe in den Teams“, ergänzt Frank Ohi, Kaufmännischer Vorstand.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Pressestelle
Annechristin Bonß
Tel.: +49 351 458 14162
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Foto: Schwester Viktoria bei der Pflegevisite in der Hämatologie. (c)Uniklinikum Dresden / Marc Eisele

 

 

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